Melodien aus dem Brotkasten

von Martin am Sonntag, 3. Juli 2011 5:15

Im Rückblick besinnt man sich gerne auf Wurzeln. Heute sind Computer allgegenwärtig und mitunter so klein, dass man sie kaum noch wahrnimmt. Man kann darüber streiten, wie, wan und wo der heutige Stand der Technik seinen entscheidenden Ausgangspunkt genommen hat. Aber man kann nicht darüber streiten, dass die 1980er Jahre eine ungemein prägende Rolle in der Veralltäglichung des Computers gespielt haben. In der Literatur feierte der Cyberpunk seine Hochzeit, Kraftwerk standen als Pioniere der elektronischen Musik mit dem Album Computerwelt in den Charts und in Wargames durfte Matthew Broderick Tic Tac Toe gegen einen Computer spielen, um einen realen Atomkrieg abzuwenden. Die Entwicklung der Heimcomputer führte dazu, dass solche Geräte kleiner und bezahlbar wurden und der Computer dadurch auch im privaten Bereich kontinuierlich an Bedeutung gewann.
Der wohl populärste Vertreter solcher Heimcomputer war und ist der Commodore 64 – kurz: C64. Der wegen seiner Bauweise oft auch liebevoll als „Brotkasten“ bezeichnete Rechner konnte sich nicht zuletzt dank seines vergleichsweise günstigen Preises als meistverkaufter Heimcomputer der 80er Jahre durchsetzen und Jugendlichen wie Junggebliebenen unzählige Stunden Spielspaß bescheren. Die Faszination am C64 vereinte Spieler, Anwender und Bastler, die seine technischen Möglichkeiten immer weiter ausreizen wollten. Schon damals gab es Gruppen, die jedem Kopierschutz den Garaus machen wollten. Ihre Erfolge schmückten sie, indem sie dem jeweiligen Spiel ein eigenes Intro hinzufügten und darin Freunde grafisch wie musikalisch grüßten. Später führte die Begeisterung für solche Kompositionen dazu, dass in der neu entstandenen Demo-Szene einzelne Gruppen audiovisuelle Kunstwerke programmierten, die nicht mehr als Vorspann für ein Computerspiel genutzt wurden, sondern einzig zum Selbstzweck existierten – und den szeneinternen Ruf der Programmierer steigern sollten. Möglich wurde dies überhaupt erst durch den eigens entwickelten SID-Chip, der den C64 von seinen schlicht piepsenden Vorgängern abhob und zu so etwas wie einem kleinen Synthesizer machen konnte, der tatsächlich elektronische Musik statt bloßer Töne erzeugte.
Die technischen Möglichkeiten des C64 passten generell zum Musikgeschmack der 80er Jahre, elektronische Tanz- und Popmusik war auf dem Vormarsch. Computermusiker wie Rob Hubbard und Chris Hülsbeck versorgten Spiele mit eingängigem Sound und Melodien solcher Klassiker wie Commando, International Karate, The Great Giana Sisters oder Turrican versetzen den Spieler von damals auch heute noch in die Tage seiner Jugend vor dem C64 – ein Proust’scher Madeleine-Moment in 8 Bit. Tatsächlich war die Begeisterung für die Musik zu jener Zeit dermaßen stark, dass sie mitunter das eigentliche Spiel in den Hintergrund des Interesses treten ließ. Diese Musik sollte Spuren hinterlassen.
Auch nach der großen Zeit des C64 beschäftigten sich Enthusiasten mit seiner Musik und entsprechende Referenzen finden sich heute neben der eigenen 8-Bit-Szene auch immer wieder in diversen elektromusikalischen Strömungen der Gothic-Szene, die ja ebenfalls ein Kind der Achtziger ist. Direkte Einflüsse auf die heutige Musik gibt es bei Bands von A bis Z, von einer C64-Songversion der norwegischen Future-Pop-Combo Apoptygma Berzerk bis hin zum Hit Kernkraft 400 des deutschen Projekts Zombie Nation, bei dem die Melodie dem C64-Spiel Lazy Jones entnommen wurde. Bands wie 8 Bit Weapon oder Welle: Erdball gehen noch einen Schritt weiter: sie nutzen auch heute noch einen C64 zur Produktion ihrer Songs. Die Faszination an SID-basierter Musik hält sich damit nun bereits seit etwa 25 Jahren. In dieser Zeit haben sich Möglichkeiten des Konsums und Genusses ausgefächert. Wem die aktuelleren Interpretationen der zuvor genannten Bands zu fortschrittlich sind, der findet im Internet Radiostationen, die rund um die Uhr die Spielemusik der Achtziger senden – Originalversionen, Remixe oder Eigenkompositionen. Wer es hingegen bombastisch mag, war im Jahr 2008 vielleicht beim ersten Spielemusikkonzert der Welt zugegen, das Titel von Chris Hülsbeck mit 120 Orchestermusikern spielte – und nach sechs Tagen ausverkauft war. Musik und Songs der C64-Ära wissen also auch heute noch zu bezaubern und retten ein Stück der „guten alten Zeit“ in die Gegenwart. Oder wie es in einem C64-Fanvideo heißt: „All we have left now are the nostalgia of the times we all loved. But we still remember the music. And the music was the force in ‘em all.“
Doch nicht nur die Musik, sondern die ganze C64-Szene lebt. Emulatoren bringen die Spiele von damals auf heutige Computer, Internetforen ermöglichen Interessierten den globalen Austausch und in der Demo-Szene, die sich mittlerweile weiterentwickelt und auf andere Systeme ausgebreitet hat, nimmt der C64 eine überaus beliebte Sparte ein. Aktuelle C64-Romane versorgen die verblassten Erinnerungen wieder mit frischer Farbe und tatsächlich geht der Retro-Kult um den C64 soweit, dass es sogar eine C64-App für das iPhone von Apple gibt – ausgerechnet Apple, dem größten Konkurrenten von Commodore in den Achtzigern.

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Liebesschloss

von Martin am Donnerstag, 11. November 2010 15:56

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Börsenspiele

von Martin am Montag, 8. November 2010 2:20

Der Wohnungsmarkt in Berlin soll ja so eine Sache für sich sein. Es gibt durchaus Angebote, keine Frage. Vergleichen muss man aber trotzdem, auf jeden Fall. Dabei sollte es gar nicht so schwer sein, eine passende Wohnung in Berlin zu finden. Eine große Stadt mit verschiedenen, individuellen Stadtteilen und Wohnmöglichkeiten.
Viele Leute wollen nach Berlin. Mich persönlich zieht nichts dorthin. Tatsächlich verbinden hier viele Leute vor allem eine Fluggesellschaft mit der Bundeshauptstadt, was mich auf eine jüngere Begebenheit kommen lässt.
Ich habe mich vor viereinhalb Jahren mal beim Börsenspiel der FAZ angemeldet. Ich kannte ein ähnliches Planspiel aus Schulzeiten von der hiesigen Sparkasse - und es hat damals durchaus Spaß gemacht. Natürlich gab es auch damals teilnehmende Gruppen, die dann einfach mal den Broker-Papa eines Mitglieds “eingeschaltet” und dann auch gewonnen haben… Störte mich aber nicht; der virtuelle Handel birgt immerhin ein gewisses Maß an Spannung, ohne im schlimmsten Fall tatsächlich Geld zu verlieren.
Jedenfalls kriege ich an und wann immer noch meine Depot-Übersicht per eMail zugeschickt. Und grade habe ich mal reingeschaut, anstatt sie direkt ungelesen zu löschen. Und so schlecht sieht die Statistik gar nicht mal aus.
Zwar waren es nur ganze vier “trades” (wenn ich das als Amateur mal unreflektiert so nennen darf), die dann allerdings alle positiv ausgefallen sind. Anfang Juni habe ich z.B. virtuelle Anteile von Porsche abgegeben, die nach zwei Wochen nur ein Plus von 0,1% brachten. Dafür punktete Air Berlin damals mit einem Plus von immerhin 10,4% - in zwei Wochen wohlgemerkt. Damals konnte ich dann auch Anteile von berry petroleum ergattern, die heute 4,86% mehr bringen. Wirklich interessant wird aber der letzten Kauf: virtuelle Anteile an der Bayer AG. Anfang 2007 für 44,42€ gekauft, bringt ein Anteil laut Depot-Übersicht derzeit 55,63€ und damit eine Steigerung von satten 25,24%.
Aus den 50.000€ Startkapital wurden so mit der Zeit immerhin gut 62.000€. Wenn man das Geld übrig hat, erscheint das Spiel mit Aktien wie ein durchaus spannender und mitunter lukrativer Zeitvertreib. Aber sobald man an die Problematik des “Verzockens” denkt und eh grade keine 50 großen Scheine am Start hat, löscht man die eMail seines Depots mit virtuellen Anteilen und schläft dafür vielleicht ein Stück ruhiger. ;-)

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Der ÖPNV als reflexionsfreie Zone

von Martin am Mittwoch, 27. Oktober 2010 8:35

Im ÖPNV kann man viele Sachen erleben. Man kann aufgebrezelte und bis ins letzte Haar gestylte blonde Endzwanzigerinnen sehen, die in Sachen Aussehen und sozialer Außenrepräsentation nichts dem Zufall überlassen und sich dann am Bahnsteig volles Pfund auf’s Maul legen, weil sie über den Trolley eines anderen Reisenden stolpern, da sie gleichzeitig zum Fahrplan laufen, auf die Anzeige in der Höhe schauen und - wie die vorausgegangenen 15 Minuten - in ihr Handy sprechen. Man kann kleine Sozialstudien anstellen, subjektive Theorien aufbauen und hinterfragen oder einfach Augen und Ohren schließen und sich vom Einstiegs- zum Ausstiegsort transportieren lassen. Als Erziehungswissenschaftler fallen einem aber fast automatisch die oftmals fragwürdigen Ansätze in der Erziehungsrealität auf.

Episode 1
Eine Mutter sitzt mit ihrem Sohn im Bus. Der Kurze hockt auf dem Sitz am Gang und gibt einem etwa gleichalten Kind, das grade mit seinem Vater zugestiegen ist, im Vorbeigehen einen leichten Schlag. Mutter: “Ey, hau’ dat Kind nich!” und klatscht dem Sohn eine.

Eine Sternstunde der Kinderverziehung. Die stille Frage, ob solche Leute ihr kontradiktorisches Verhalten überhaupt irgendwann bemerken, bleibt unbeantwortet. Klar ist indes, dass es sich hierbei nicht um einen Einzelfall handelt.
Beim Aus- und Einsteigen in Bus und Bahn gibt es gerne mal ein gewisses Gedrängel und mitunter auch spontane Spurtansätze, besonders an Umsteige- und Knotenpunkten. Dabei kommt es zwangsläufig zu diversen Körperkontakten, neben den olfaktorischen Belästigungen ein großes Übel im ÖPNV - aber eben nicht vermeidbar.

Episode 2
Unter den Einsteigenden ist auch ein Mann samt Familie und Kinderwagen; auch ein etwa Vierjähriger, wohl sein Sohn, ist dabei. Besagter Mann steigert sich in der Bahn in ein minutenlanges (!) Schimpfinferno: “Ey, die Schlampe hat misch voll angerannt, die dumme Fotze. Isch hätt’ der voll auf’s Maul hau’n soll’n, der blöden Bitch. … Alter scheisse, isch hau’ die platt, die Alte. … Dumme Fotze! … Die verdammte Hure ey, ich hätt’ die echt umhaun müssen, ey! … Scheiss Nutte! …” etc. pp. Als er sich dann doch irgendwann endlich beruhigt hat, benutzt kurz darauf der Kurze kontextfrei eines der Schimpfworte, die sein Vater kurz zuvor durch die Bahn schallen ließ. Die Reaktion des Vaters: “Ne, das darfst du nich sagen!

Man sollte annehmen, dass es kein Studium der sozialkognitiven Lerntheorie braucht, um zu erkennen, dass das eigene Verhalten dem juvenilen Spross als Modell dient. Dennoch sind solche Eltern eindeutig Vorbilder - sie leben und sichern den schichtspezifischen Habitus. Und das überall, sogar in Heilbronn.

Thema: Gesellschaft | Kommentare (0)

Essen HBF

von Martin am Dienstag, 26. Oktober 2010 13:15

Thema: Region | Kommentare (0)



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